Neue, einzigartige Webseite: Korporierte in Österreich im Widerstand gegen Hitler

„Digitalen Stolpersteine“ zum Gedenken an die korporierten Widerstandskämpfer gegen die nationalsozialistische Besetzung Österreichs von 1938 bis 1945: Wolfgang Sobotka, Präsident des Österreichischen Nationalrates, hatte zur Vorstellung der Webseite zusammen mit dem Verein Modern Society und dem Denkmalbauverein Katholiken im Widerstand eigens ins zum Wiener Parlament gehörige Palais Epstein geladen. Unter www.niemalswieder.at/ findet seitdem vorbildliche Erinnerungsarbeit statt!

Das Österreichsche Parlament auf einer Briefmarke aus dem Jahre 1969

Eine höchst interessante Gruppe von Kooperationspartnern kümmert sich in Österreich um die Aufarbeitung des NS-Unrechts im Lande, Details dazu finden Sie hier. Zur Präsentation der neuen Seite gab es große Anerkennung von höchster Stelle, eben von Wolfgang Sobotka, der die deutlich meh als 800 katholischen Korporierten würdigte, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus kämpften oder zum Opfer des NS-Terrors wurden. Den größten Anteil am Entstehen dieses wohl einmaligen digitalen Gedenkortes hat Mag. Markus Kroiher, mehrfach korporiert in österreichischen Verbindungen des MKV, ÖCV und KÖL.

Um die Aufarbeitung des NS-Unrechts bemüht: der Verein Modern Society

Der Empfang durch den Nationalratspräsidenten ist eine sichtbare Bestätigung für die Korporierten, die sich heute mehr denn je unermüdlich um die Würdigung der katholischen Widerstandskämpfer, aber auch aller anderen, bemühen. Die Veranstaltung wurde nicht durch einen großen Vortrag geprägt, entfaltete keinen Prunk; vielmehr gab es zwei Diskussionsforen, in denen nachgedacht und reflektiert wurde. Erst gaben Politiker und Wissenschafter kurze Statements ab, dann die Verbandsspitzen aller katholischen Korporationsverbände. Eine bemerkenswerte Aufteilung, beeindruckend in ihrer Bescheidenheit, ein berührendes Memento für die Opfer von Gewalt in einer sozialistischen Diktatur, im Nationalsozialismus.

Auf dieser Webseite wird jeder, der einst litt und dessen Leiden bekannt ist, mit einem eigenen digitalen Stolperstein geehrt. Eine gekonnt gestaltete Übersichtskarte navigiert die Betrachter zu seiner jeweiligen Verbindung. Mit großer Anerkennung, aber auch mit Wehmut angesichts der Lage im eigenen Land blicken die deutschen Studen-tenhistoriker zu ihren Partnern in felix Austria hinüber. Eine solche Initiative hat die höchste Achtung aller staatlichen Repräsentanten mehr als verdient. Unser Partner, der Österreichische Verein für Studentengeschichte, unterstützt diese außergewöhnlich gut dokumentierte digitale Erinnerungswelt.

Dr. Harald Jilke, KöStV Vindobona II im MKV, einer der Akteure hinter diesem großen Werk, schreibt uns dazu: „Es ist möglich, die aufgelisteten Personen, zu denen es weitere Informationen gibt, alphabetisch zu suchen, aber auch geographisch über aktive Landkarten und Stadtpläne, ebenso nach Verbindungen und Verbänden, wobei zudem ehemalige und befreundete Verbindungen in mehreren Staaten erfasst wurden. Bei einigen Damen der Vereinigung katholisch-deutscher Hochschülerinnen, gegründet 1927 in Wien, konnten wir schwere berufliche Nachteile ab 1938 nachweisen, besonders gewichtig ist das Verstecken dreier Juden über etwa drei Jahre durch die Lehrerin Dr. Anna Mathä.“

Navigation, neuester Stand: Auf der neuen Webseite wird anhand der interaktiven Übersicht deutlich, wie flächendeckend der Widerstand von Korporierten gegen den Nationalsozialismus, vorwiegend von katholischer Seite, ausgeprägt war.

Das Referenzwerk zur neuen Webseite www.niemalswieder.at/

Referenzwerk: Das Martyrologium der katholischen Korporierten Österreichs, in zweiter und wesentlich erweiterter Ausgabe herausgegeben von ÖVfStG.

678. Das ist die Zahl der österreichischen CVer, MKVer, KÖLer, KVer und der anderen katholisch Korporierten, die Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime leisteten oder von Hitlers Schergen verfolgt wurden. Der Österreichische Verein für Studen-tengeschichte (ÖVfStG) hat eine zweite, erweiterte Auflage seines wichtigen Werkes „Farbe tragen, Farbe bekennen“ herausgebracht. In diesem Werk sind jene noch nicht erfasst, die indirekte Formen der Verfolgung erdulden mussten – tägliche Bespitzelung, oft verbunden mit Entlassung, Berufsverbot, Zwangspensionierung, Vertreibung. 678 Korporierte, die sich – oft unter Einsatz ihres Lebens – im Widerstand engagierten, die oft über Jahre in Arrestzellen, in Gestapo-Gefängnisse oder in KZs inhaftiert oder gar ermordet wurden. Peter Krause hat den Band herausgegeben, er präsentiert profunde Analysen der Entwicklungen von 1938 bis 1945 aus der Feder ausgewiesener Experten. Dem über 400 Seiten starken Teil mit den Lebensläufen folgt ein Verzeichnis der in den einzelnen KZs inhaftierten katholisch Korporierten. In Buchenwald waren es 23, in Flossenbürg 24, in Auschwitz sechs, in Mauthausen 18, in Dachau sogar 119! Hier unsere ausführliche Rezension.

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