Wertvollste Zeugnisse aus der verlorenen Welt der Korporierten jüdischen Glaubens

Budovisia und Libanonia Wien: Professor Harald Seewann entreißt wertvolle Dokumente zu zwei weiteren Verbindungen, einer paritätischen und einer exklusiv-jüdischen, in buchstäblich letzter Minute dem Vergessen.

Zwei jüdische Verbindungen, beide im Jahre 1894 in Wien gegründet, beide im Jahre 1938 von den Nationalsozialisten unter Zwang aufgelöst. Die liberale – oder: paritätische[1] – Burschenschaft Budovisia Wien[2] und Jüdisch-akademischen Verbindung Libanonia Wien[3] verfolgten, obschon beide stark durch den jüdischen Glauben ihrer Mitglieder geprägt waren, unterschiedliche Wege und setzten divergierende Schwerpunkte in ihrem studentischen Umfeld. Das Kriterium der Religionszugehörigkeit ihrer Mitglieder wurde unterschiedlich gehandhabt – Budovisia stand Studenten jüdischen Glaubens offen und war stark durch sie geprägt, bei Libanonia hatten für solche Studenten Exklusivität. Gleichwohl wurde die Religionsfrage beiden zum Verhängnis. Der in Österreich ab 1938 etablierte NS-Staat machte im wahrsten Sinne „kurzen Prozess“ mit allen Verbindungen. Zuerst mit denen, die jüdische Mitglieder hatten.[4] Für die Nationalsozialisten spielte es keine Rolle, ob die Verbindung – wie Libanonia – exklusiv jüdischen Studenten offenstand oder ob sie paritätisch war.[5]

Immense Verdienste um das Andenken jüdischer Korporationen: Prof. Harald Seewann, Graz (Bild: Christiane Seewann)

Nach dem Holocaust war kein Aktivenbetrieb mehr möglich, denn viele Budovisen einerseits und Libanonier andererseits waren im Holocaust ermordet worden, die Überlebenden beider Bünder waren in alle Welt zerstreut, die Erinnerung versank allmählich. Der Studentenhistoriker Harald Seewann quasi in letzter Minute Budovisia und Libanonia – und damit auch zwei wichtige Aspekte des jüdisch geprägten Verbindungswesen an sich – innerhalb nur eines Jahres durch die Herausgabe umfangreicher Dokumentationen dem Vergessen entrissen.[6]

Die Akademische Burschenschaft Budovisia zu Wien, gegründet 1894 als „Vereinigung Budweiser Hochschüler“, widersetzte sich dem aus Antisemitismus gespeisten Waidhofener Prinzip[7] sowie der Einführung von sogenannten Arierparagraphen[8] und blieb ins Frühjahr 1938, bis zum Tag des Einmarsches der deutschen Wehrmacht in Österreich, für die Studenten jüdischen Glaubens ganz selbstverständlich zugänglich. Die im Jahre 1919 selbst gewählte Benennung „Burschenschaft“ erklärt sich angesichts der damaligen Lage, die sich im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn unterschiedlich entwickelt hatte. Im wilhelminischen Reich sammelten sich die liberalen Verbindungen unter der Bezeichnung „Burschenbund“, doch in Deutschösterreich waren bereits mehrere deutlichst antisemitisch tendierende Dachverbände unter ebendieser Kategorisierung bekannt. Die Benennung erfolgte damit in dieser Zeit in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich für dieselbe Art von Verbindungen – diejenigen, die Juden offenstanden – teilweise gegensätzlich.[9]

Die Lage ist damit für Österreich unübersichtlich. Es gab dort „nationale“ Burschenschaften und eben solche, die „liberal“ waren, die sich also des Antisemitismus enthielten. Diese liberalen Burschenschaften hatten damit einen völlig anderen Charakter als die deutschen Burschenschaften und denjenigen in Österreich, die „national“ waren, und wurden von diesen dementsprechend erbittert bekämpft.[10] Konkret blieben damit Budovisia und im übrigen auch Fidelitas, Suevia und Constantia Wien bis zu ihrer Auflösung unter Zwang als „Burschenschaften“ bestehen. Sie standen jedoch, um das nochmals klar zu fassen, im diametralen Widerspruch zum Waidhofener Prinzip, mit dem der Antisemitismus im Verbindungswesen im Jahre 1896 zementiert worden war.[11]

Budovisia Wien im B.C.

Das Wappen der B.C.-Burschenschaft Budovisia Wien

Der Wahlspruch der Budovisia war „Freundschaft, Freiheit, Ehre!“. Harald Seewann hat ihn als Titel für seine große Dokumentation der Geschichte der Budovisia Wien mit Bedacht und aus gutem Grund gewählt. Bis zu ihrer zwangsweise erfolgten Auflösung durch den NS-Staat im Jahre 1938 gehörte sie dem religiös wie übrigens auch politisch weltoffenen Burschenbunds-Convent an, kurz B.C., der mehrheitlich aus Verbindungen bestand, die im Deutschen Reich ihre Heimat hatten.

Kein Budovise lebt heute noch, ein Archiv ist nicht existent. Umso wichtiger war es, daß Harald Seewann sich der noch greifbaren Erinnerungsstücke – vor allem sind es schriftliche Zeugnisse – angenommen hat. In seinem neuen, weit über 500 Seiten starken Werk rekonstruiert er aus Akten, Zeitungsmeldungen, Archivalien und Einzelfundstücken die Geschichte der Budovisia. Er berichtet damit und auch in einem kurzen geschichtlichen Abriß sehr eindrücklich über ein Verbindungswesen, das den „seit den 1880er Jahren in der Studentenschaft aufgekommenen Antisemitismus“ aktiv – und durchaus auch mit Säbelforderungen – bekämpfte.  Der Autor selbst notiert, warum diese Veröffentlichung so wichtig ist: „Heute existiert in Österreich kein deutsch-freiheitliches Verbindungswesen mehr; dieses – insbesondere die hart erkämpfte Anerkennung Budovisiae als farbentragender waffenstudentischer Bund – in Erinnerung zu rufen, soll Aufgabe dieser Dokumentation sein.“[12]

Ganz systematisch führt Harald Seewann seine Leser durch die Geschichte der Budovisia. Von der Gründung – die  wichtigsten diesbezüglichen Dokumente sind Kopie zu sehen – werden die Stationen durch die frühen Jahre als „Vereinigung Budweiser Hochschüler“ über die Zeit als „Deutsch-akademische Verbindung Budovisia“ bis hin zur Burschenschaftserklärung am 17. Oktober 1919 kurz nach dem Untergang der kaiserlichen österreichisch-ungarischen Monarchie aufgezeigt. Immer sind dabei die entsprechenden Belege im Bild zu sehen, erklärende Texte fehlen aber. Erst ab Seite 410 folgen dann schriftliche Ausarbeitungen. Es ist dabei der über Jahrzehnte hinweg andauernden, unermüdlichen Findigkeit und Sammeltätigkeit des Autors zu verdanken, daß diese Dokumentation überhaupt erstellt werden konnte. Das Kompendium zur Budovisia ist wie seine Vorgängerwerke – erinnert sei an die Dokumentation zur wohl bedeutendsten jüdischen Verbindung, der A. V. Kadimah – einzigartig. Es ist ein Archiv zwischen zwei Buchdeckeln.

Bemerkenswerte Stücke enthält dieses Archiv. Dazu gehört die ab Seite 163 abgedruckte Protestnote der Wiener Burschenschaft Olympia im Namen aller Wiener Burschenschaften vom 15. Juni 1920 „an den hohen akademischen Senat der Universität in Wien“ gegen die Umbildung der Budovisia, der Suevia und der Fidelitas in Burschenschaften.[13] Auf Seite 162 findet sich der Eingangsvermerk der Wiener Universität, aus dem auch hervorgeht, dass die Vertreter der drei liberalen Burschenschaften Budovisia, Suevia und Fidelitas am 8. Juli seitens des akademischen Senats vorgeladen wurden. Nachdem die Namen der drei liberalen Burschenschaften bekanntermaßen beibehalten werden konnten, ist evident, dass dieser Eingabe der örtlichen Vertreter der Deutschen Burschenschaft kein Erfolg beschieden war.

Budovisia war als liberale, also religiös offene, dabei aber stark jüdisch geprägte Burschenschaft mit der Fidelitas im Bund, und sie blieb es auch. Das öffnet den heutigen Korporierten die Tür zu Oskar F. Scheuer, der bei Fidelitas Wien und Alemannia Prag aktiv gewesen war und dem Korporationsstudententum zeitlebens auf besondere Weise verbunden blieb.[14] Scheuer publizierte nicht nur zur Studentengeschichte, er sammelte auch – seine Bibliothek ist einzigartig und wird heute im Institut für Hochschulkunde in Würzburg bewahrt. Wichtig ist es dabei, festzuhalten, dass diese Art von „Burschenschaft“ in puncto Toleranz genau das Gegenteil dessen ist, was es im ehemaligen Deutschen Reich bedeutete. Und dort, wo die religiös ungebundenen und toleranten Dachverbände ihre Archive zentral verwalten und eine Bibliothek betreiben, dort gehört die gesammelten Dokumente dieses liberalen, dieses besonderen Burschenschafters auch hin.

Dokumente hat auch Harald Seewann gesammelt, er wandelt gewissermaßen auf den Spuren des großen Studentenhistorikers Scheuer. Auf den Seiten 230 bis 250 seines aktuellen Werkes ist sehr aussagekräftig dokumentiert, wie der in Österreich errichtete NS-Staat die Burschenschaft Budovisia ins Visier nahm, das Vereinsvermögen erfragte und sehr bald schon einzog – und dabei auch ein Grundstück mit Badehütte an der Alten Donau nicht verschonte, dass die beiden Altherrenvertreter Arthur Modry und Erich Grünbaum hälftig auf sich übertragen hatten, um zumindest diesen Teil des Eigentums der Budovisia vor dem Zugriff der neuen Machthaber und die Übertragung an den NSDStB zu schützen. In den Monaten Mai bis Juli 1939 wurde hier jedoch unbarmherzig durchgegriffen, wie sich aus den gezeigten Dokumenten eindeutig ergibt. Rein dokumentarischen Charakter hat dagegen die über 120 Seiten starke Wiedergabe der Paukbücher der Budovisia. Ab Seite 288 werden die handschriftlichen Aufzeichnungen über jede einzelne Contrahage im Faksimile wiedergegeben – das ist auch eine Art, die Ehrenfestigkeit der Wiener Budivisen zu dokumentieren. Und gewiss nicht die schlechteste.

Ab Seite 410 meldet der Autor sich dann selbst zu Wort. Er gibt, über Budovisia hinausblickend, einen Überblick „zur Geschichte des deutsch-freiheitlichen Korporationswesen in Wien“. In seinen Thesen und Darstellungen folgt er im wesentlichen dem großen Kenner des deutsch-freiheitlichen Verbindungswesens, Robert Hein, dessen Werk in der Studentengeschichte heutzutage kaum Beachtung findet.[15] Dieser Aufsatz, dem der Autor wiederum eine Vielzahl von Quellen – auch im Faksimile – beigegeben hat, komplettiert diesen Band zu einer vollständigen Bestandsaufnahme in der causa Budovisia.

J.A.V. Libanonia Wien

Couleur der Libanonia Wien

Ebenfalls 1894, am 8. Dezember, wurde die Akademische Verbindung Libanonia Wien gegründet. Als offizielles Gründungsdatum führte sie aber den 9. Februar 1895, und ausführlich dokumentiert Harald Seewann die Berichte über diese Versammlung in Wiener Tageszeitungen. Der Weg der Libanonia war ein anderer als der der Budovisia; bereits am 2. Dezember 1902 gründete sie zusammen mit der ältesten jüdischen Verbindung, der Kadimah, sowie mit Ivria und Makkabäa den „Verband der jüdisch-akademischen Verbindungen Wien“, der im Mai 1919 – der Zeitpunkt ist dabei wohl kein Zufall – in den „Verband zionistischer Verbindungen“ aufging, den V.Z.V.; dieser wiederum wurde Ende 1922 zum „Senioren-Convent der wehrhaften zionistisch-akademischen Verbindungen“, dem S.C. – hier liegt es nahe, an das Vorbild der Kösener Corpsstudenten zu denken, zumal ja, wie zum Beispiel Miriam Rürup deutlich dargelegt hat, die Assimilation eines der großen Themen in den jüdischen Korporationen war. Eine letztlich gescheiterte Assimilation – bis 1938 war es zionistischen – also jüdischen – Verbindungen zum Beispiel seitens des akademischen Senats verboten, Kopfcouleur zu tragen.

Mit einem ausführlichen Bericht von der Gründungsversammlung der Libanonia, die da noch als „Lese- und Unterstützungsverein“ konstituiert war, beginnt die Quellensammlung, die handschriftlich niedergelegten Statuten in mehreren Versionen – jeweils mit behördlichem Vermerk und Gebührenmarke verziert – folgen. Das nächste große Thema ist die Frage, ob den Libanonen gestattet sein sollte, Kopfcouleur zu tragen. Hier setzten sie sich offenkundig durch – auf den Bilder aus dem Jahre 1898 sind sie zunächst ohne, dann mit Mützen zu sehen; Seewann dokumentiert diesen Vorgang mit Bildern. Die Burschenschaften haben energisch protestiert, auch das belegen die Akten ebenso wie eine beeindruckende Zahl von gedruckten Quellen, meist Tages- oder Wochenzeitungen.

Immer gut für Satisfaktion auf Säbel: Libanonia Wien

Das verlorene Paukbuch der Jordania konnte Seewann zu einem Teil rekonstruieren, denn dasjenige der Makkabaea blieb erhalten. Zumindest von den Säbelpartien, die diese beiden Bünder austrugen, sind also einige bekannt und namentlich zuzuordnen. Der Blick ins faksimiliert abgedruckte Paukbuch läßt uns erstaunen: bis zu 176 Gänge – auf Säbel! – bei einer Dauer von bis zu drei Stunden sind verzeichnet.

Theodor Herzl, der vielbewunderte Vorkämpfer des Zionismus, wurde offenbar regelmäßig von der Libanonia eingeladen.[16] Und an den von Seewann gesammelten Exemplaren lässt sich die Entwicklung von der frisch gegründeten Verbindung zum Mitglied im selbstbewussten „Verband der jüdisch-akademischen Verbindungen Wien“, denn vor 1902 wird Herzl zunächst mit „Euer hochwohlgeboren!“ und sodann mit „Sehr geehrter Her Doktor!“ angeschrieben, im November 1902 heißt es: „Sehr geehrter Herr Doktor! Lieber EB!“ Die Libanonia konnte Herzl also als Ehrenbursch ansprechen, und wer dies tun wollte, musste gewissermaßen auf Augenhöhe sein mit der A. V. Kadimah, der ältesten und größten jüdischen Verbindung Wiens.[17]

So öffnet denn Seewanns Dokumentation über die Libanonia die Tür zur wohl wichtigsten, maßgeblich stilprägenden Verbindung, der Kadimah. In ihr waren auch Persönlichkeiten wie Fritz Löhner-Beda vertreten, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist – ganz im Gegensatz zu seinen vielen Liedern. Es ist kaum vorstellbar: Als schon die NS-Machthaber die Ermordung aller jüdischen Menschen Deutschlands, ja, Europas planten, schrieb Löhner-Beda neben vielen Schlagern, Operetten und weiteren, meist humorvollen Veröffentlichungen das Lied „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“. Das war 1934. Bereits 1942, nur acht Jahre später, wurde er in Auschwitz ermordet. Aber das Lied, mit dem er das besang, was allen Korporierten – auch heute noch – so lieb und teuer ist, konnten die Nationalsozialisten nicht umbringen. Es lebt weiter. Und gibt Zeugnis davon, was Europa einst besaß. Das gilt für Künstler wie Löhner-Beda ebenso wie für viele weitere jüdische Korporierte, auch aus der Libanonia.

Seewanns Dokumentationen, von denen sich die Studentenhistoriker entgegen seinen Ankündigungen, nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen zu wollen, noch einige erhoffen, öffnen Türen zu einer ganzen Gattung des Verbindungswesens, die zusammen mit dem europäischen Judentum in der Shoa zerstört wurde. Denn ganz ähnlich wie im Falle der Budovisia – und im übrigen aller anderen Korporationen, bis hin zu den strikt antisemitischen – verlief auch die Auflösung der Libanonia, die am 22. August 1938 erfolgte. Welches Maß an Verachtung, an Kälte einerseits und an Verfolgungsdruck, an gefühlter Ausgrenzung andererseits damit einherging, ist aus den von Seewann nüchtern präsentierten Dokumenten, aus denen alle Fakten klar ersichtlich sind, nur zu erahnen. Geradezu erschütternd sind dann die Listen, in denen die Wohnorte der einstigen Wiener Kommilitonen – von New York bis Melbourne – gesammelt werden, um ein Mitgliederverzeichnis derer, die den Holocaust überlebt hatten, zusammenstellen zu können. Nicht weniger als 315 Seiten an Material zur Libanonia kommen so zusammen. Die Anmerkungen sind sodann auf rund 50 Seiten nochmals mit einer Vielzahl von gedruckten Quellen – meist Zeitungsberichten – unterlegt. 370 Seiten kommen auf diese Weise zusammen. Sie erklären dem Leser das Streben, den Glanz, die Tapferkeit und letztlich die Tragik der Libanonia Wien.

Seewann hat sich bei der formalen Gestaltung beider Dokumentationen der Methode der Xerographie bedient, die Abbildungen sind durchweg schwarz-weiß. Das bedeutet gegenüber den heutigen Möglichkeiten der Widergabe mittels elektronischer Datenverarbeitung einen Nachteil in der Qualität, und leider existieren damit auch keine Dateien, die eine originalgetreue Wiedergabe auch über das Internet ermöglichen würde. Hier ist zweifelsohne noch ein technischer Schritt zu gehen, aber die entscheidenden Informationen liegen dank Harald Seewann nun vor. Die Geschichte der Budovisia ist dem Vergessen entrissen. Darauf kommt es an. Die Studentenhistoriker aller Couleur sind dem Autor, der längst für seine Verdienste mit einem Professorentitel geehrt wurde, einmal mehr zu großem Dank verpflichtet.

Sebastian Sigler


[1]       Als „paritätisch“ wurde eine Verbindung bezeichnet, die Juden und Nichtjuden gleichermaßen aufnahm. Aufgrund des grassierenden Antisemitismus waren sie aber stark jüdisch geprägt, ja sie hatten manchmal nur jüdische Mitglieder, auch wenn sie formell religiös offen blieben, grundlegend dazu: Stickler, Matthias, Jüdische Studentenverbindungen. Anmerkungen zu einem zu wenig beachteten Thema der Universitäts- und Studentengeschichte, in: Einst und Jetzt – Jahrbuch für corps­studentische Geschichtsforschung, Bd. 61, 2016, S. 11 – 56.

[2]       Seewann, Harald, „Freundschaft, Freiheit, Ehre!“ – Die Burschenschaft Budovisia im B.C. zu Wien (1894 – 1938) – Ein Beitrag zur Geschichte des deutsch-freiheitlichen Verbindungswesens in Wien, Graz 2019. 568 S., Klebebindung, Broschur, zahlr. Dokumente im Faksimile, zahlr. s/w-Abbildungen im Text, 28 Euro zzgl. Versand; Bezug über Prof. Harald Seewann, Resselgasse 26, A – 8020 Graz.

[3]       Seewann, Harald, „Allzeit voran“ – Streiflichter auf die Geschichte der Akademischen Verbindung Libanonia Wien (1894 – 1938), Graz 2019. 371 S., Klebebindung, Broschur, zahlr. Dokumente im Faksimile, zahlr. s/w-Abbildungen im Text, 24 Euro zzgl. Versand; Bezug ebenfalls über Prof. Seewann.

[4]       Zu den jüdischen Verbindungen in Österreich: Winkler, Martin, Jüdische Verbindungen in Österreich, in: Weber, Peter Johannes (Hrsg.), Die Vorträge der 8. Internationalen Studentenhistorikertagung Basel 2016, Documenta et Commentarii Nr. 32, Bern 2018, S. 115 – 132.

[5]       Zur Unterscheidung der verschiedenen Verbindungstypen mit jüdischem Kontext zuletzt: Stickler, Matthias, Jüdisch Studentenverbindungen. Anmerkungen zu einem wenig beachteten Thema der Universitäts- und Studentengeschichte, in: Einst und Jetzt – Jahrbuch für corps­studentische Geschichtsforschung, Bd. 61, 2016, S. 11 – 56.

[6]       Von Harald Seewann sind neben einer bedeutenden Anzahl anderer Werke folgende Dokumentationen erschienen: Die jüdisch-akademische Verbindung Charitas Graz 1897 – 1938, Graz 1987 und 1996; nach wie vor das diesbezügliche Standardwerk mit vielen Dokumenten auch zu den genannten Verbindungen ders., Zirkel und Zionsstern – Bilder und Dokumente aus der versunkenen Welt des jüdisch-nationalen Korporationsstudententums. Ein Beitrag zur Geschichte des Zionismus auf akademischem Boden, 5 Bd.,  Graz 1990 – 1996, zugl. Historia Academica Judaica, Folge 1 – 5.

[7]       Zum Waidhofener Prinzip: Hein, Robert, Studentischer Antisemitismus in Österreich, zugl.: Beiträge zur österreichischen Studentengeschichte, Bd. 10, Wien 1984 als Privatdruck des österreichischen Vereins für Studentengeschichte, insbes. 53 – 68; Seewann, Harald, „Mit Wort und Wehr zu Judas Ehr’!“, in: Einst und Jetzt – Jahrbuch für corps­studentische Geschichtsforschung, Bd. 38, 1993, S. 207 – 215; ders. (Hrsg.):   Zur Beschlussfassung des „Waidhofener Prinzips“ von 1896 – eine Dokumentation, Graz 2017; Alexander Graf: „Los von Rom“ und „heim ins Reich“. Das deutschnationale Akademikermilieu an den cisleithanischen Hochschulen der Habsburgermonarchie 1859 – 1914, Berlin 2015, insbes. S. 129 – 134, 141 ff.

[8]       Grundlegend zu den Arierparagraphen: Herrlein, Jürgen, Zur „Arierfrage“ in Studentenverbindungen, Baden-Baden 2015; ders., Zur „Arierfrage“ in Studentenverbindungen – Kernthesen aus der Promotionsschrift, in: Sigler, Sebastian, Die Vorträge der 75. deutschen Studentenhistorikertagung 2015, Beiträge zur deutschen Studentengeschichte, Band 33, München 2017, S. 165 – 236; ders., Die nationalsozialistische „Arierfrage“ in den deutschen Studentenverbindungen am Beispiel der beiden Corpsverbände KSCV und WSC, in: Weber, Peter Johannes (Hrsg.), Die Vorträge der 8. Internationalen Studentenhistorikertagung Basel 2016, Documenta et Commentarii Nr. 32, Bern 2018, S. 133 – 196.

[9]       Dies ist wichtig für die Beurteilung derjenigen Verbindungen, die als „Burschenschaft“ tituliert werden; zum Beispiel stammt der Grundstock der Bibliothek des Instituts für Hochschulkunde in Würzburg vom liberalen Burschenschafter Oskar Scheuer, der bei Fidelitas Wien aktiv war. Diese Verbindung war „liberal“, Scheuer war jüdischen Glaubens, er wurde 1941 – nach dem 28. Oktober – im Ghetto Litzmannstadt ermordet.  

[10]     Seewann, Harald, Budovisia, S. 163 ff., mehr dazu weiter unten im Text.

[11]     Zum Aufkommen des Antisemitismus knapp und im Überblick: Aly, Götz, Europa gegen die Juden 1880 – 1945, Frankfurt am Main 2017, S. 51 – 56.

[12]     Seewann, Harald, Begleitschreiben zu: Budovisia, Graz 2019.

[13]     Constantia sollte sich erst 1924 zur Burschenschaft erklären, vgl.: Scheuer, Oskar, Die Burschenschaft Fidelitas zu Wien 1876 – 1926, Wien 1926, S. 158; vgl. Seewann, Harald, Budovisia, S. 422, 482, 486 f.

[14]     Scheuer, Oskar, Die geschichtliche Entwicklung des Deutschen Studententums in Österreich mit besonderer Berücksichtigung der Universität Wien von ihrer Grün­dung bis zur Gegenwart, Wien und Leipzig 1910; Seewann, Harald, Dem Andenken des Studentenhistorikers Dr. Oskar Scheuer, in: Einst und Jetzt – Jahrbuch für corps­studentische Geschichtsforschung, Bd. 33, 1988, S. 239 – 242.

[15]     Hein, Robert, Liberale Corps und Burschenschaften in Wien, Wien 1978.

[16]     Zu Herzl: Seewann, Harald, Theodor Herzl. Vom Burschenschafter zum Vater des Judenstaats, in: Einst & Jetzt, Bd. 45, 2000, S. 121 – 138.

[17]     Zur  Kadimah Wien: Seewann, Harald, A.V. Kadimah. Fundstücke zur Chronik der ältesten jüdisch-nationalen Studentenverbindung (Wien 1882 – 1938). Eine Dokumentation, Historia Academica Judaica, Folge 10, Graz 2017; ders., Theodor Herzl, seine Vision ‚Der Judenstaat’ und die jüdisch-nationalen Korporierten, in: Platzer, Peter / Neuß, Raimund, Wien – Auschwitz – Wien. Fritz Roubicek zum Gedenken, Vierow bei Greifswald 1997, S. 136 – 152, hier S. 137: „Die Kadimah war der erste Versuch, die gesamte jüdische Studentenschaft für die geistige und politische Wiedergeburt des eigenen Volkes zu gewinnen.“ Bemerkenswert hieran ist, dass der Gedanke, die jüdische Religion könne eine eigenständige Begründung dafür sein, ein politisches Staatswesen zu begründen, hier sehr früh und sehr klar in einer Weise sichtbar wird, die dann auch tatsächlich in einen praktisch-pragmatischen Zionismus übergehen sollte; ebd., S. 141: „Herzl wehrte sich gegen eine aktive Betätigung, aber die Kadimaher bestürmten ihn immer dringender und die Verbindung selbst legte zu Ehren Herzls das rote-violett-goldene Farbenband an.“ Kopfcouleur kannte die Kadimah ab 1918, vgl.: Winkler, Martin, Jüdische Verbindungen in Österreich, in: Schweizerische Vereinigung für Studentengeschichte (Hrsg.), Die Vorträge der 8. internationalen Studentenhistorikertagung Basel 2016, Documenta et Comentarii Nr. 32, Bern 2018, S. 125.

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