„Was tobt denn hier für’n wilder Stier? Na ja, es freut die Herr’n beim Bier!“ Assoziativkraft ist wieder einmal gefragt beim Blick auf das Titelbild des Jahrbuches „Einst & Jetzt“. Große Zuchttiere sahen wir schließlich eher selten auf dem vielerorts erwarteten und überall hochgeschätzten Jahrbuch. Die Vorfreude ist indessen berechtigt, soviel sei verraten! Wer dieser Tage noch zügig Mitglied des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung wird, bekommt den Band kurz vor den Tagungen in Weinheim und Bad Kösen frei Haus zugesandt.
500 Jahre Salzburger Stier
Nicht wenige Corps- und andere Waffenstudenten sind, wie schon die Namen in den Mitgliederlisten zeigen, Nachkommen protestantischer Glaubensflüchtlinge. Aus diesem Grunde sollten wir eines besonderen Jubiläums gedenken, das mit dem 70. Jubiläum des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung zusammenfällt.
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Vorlage für das Umschlagbild von Einst und Jetzt, Band 70, ist eine um 1925 gelaufene Couleurkarte aus dem Verlag Josef Huttegger. Dargestellt ist der legendäre „Schwarze Stier“ von Salzburg, der einem augenscheinlich höchst fidelen Stammtisch als Vision erscheint – nach einem Gemälde von Hubert von Zwickle (1875 – 1947). In der rechten oberen Ecke, passend zum Schwerpunktthema „studentische Heraldik“, das „Wappen“ der hier versammelten Alten Herren, das als Attribute ein Messer, Rettich und Radieschen durchbohrend, aufweist. Links unten steht zu lesen: „[…] Uns plagt der Bajuwarendurst, Er ist nicht zu besiegen, So wenig als der schwarze Stier Ist jemals weiß zu kriegen!“
Der zitierte Bajuwarendurst ist erklärbar durch historisch enge Beziehungen zwischen Salzburg und dem Stammesherzogtum Bayern. Der ‚Salzburger Stier‘ – weder die gleichnamige Orgel noch der bekannte Kabarettpreis sind gemeint – geht auf eine Legende aus den Bauernkriegen zurück, als die Festung Hohensalzburg (1525) von Bauern, Bürgern und Bergknappen belagert wurde, die der Reformation zuneigten. Der geldgierige, daher unbeliebte Fürstbischof hielt sich dort versteckt. Als die Nahrungsvorräte der Belagerten zur Neige gingen, kamen sie auf die Idee, den letzten verbliebenen Stier täglich neu einzufärben und demonstrativ den Wehrgang ihrer Festungsmauer entlangzuführen. Die Belagerer ließen sich täuschen und zogen schließlich ab. In der Folge wurden bis ins 18. Jahrhundert zahlreiche Protestanten aus dem Salzburger Land vertrieben, alleine 1732/33 rund 20.000, die in evangelischen Regionen des Reiches – insbesondere in Preußen – und auch in den Niederlanden Aufnahme fanden. Die Namen der „Salzburger Exulantenfamilien“ sind zum großen Teil bekannt und ein dankbares Thema für Familienforscher in Europa und den Vereinigten Staaten.
Was Sie jetzt wahrscheinlich brauchen, ist das Aufnahmeformular des VfcG. Das finden Sie hier.