2. Februar 1945: Goerdeler hingerichtet

Carl Friedrich Goerdeler gehört zu den profiliertesten Köpfen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Er formte eine Kabinettsliste für eine Regierung nach Hitler – bis heute eine wichtiges Indiz für die Bedeutung von Widerstandskämpfern. Weniger bekannt ist, dass er korporiert war, AH der Eberhardina Tübingen im CC, der heutigen Alten Turnerschaft Eberhardina-Markomannia zu Tübingen. Im AKSt wurde natürlich auch zu Goedeler bereits geforscht. Der nun folgende Text basiert auf einem Beitrag, der in unserem Tagungsband 2019 erschien.

Die Studienzeit Carl Friedrich Goerdeler fand bisher nur an zwei Stellen nennenswerte Beachtung in der Forschung zum deutschen Widerstand.[1] Fast ausschließlich lagen ansonsten bis dato die Zeit unter dem Nationalsozialismus und die damit einhergehen­de Frage zur Positionierung Goerdelers zum Regime und zu Juden, aber auch der berufliche Aufstieg und die regionalpolitischen Verknüpfungen in Preußen im Fokus der Forschung. Zusammenfassend formuliert wohl Christoph Markschies am treffendsten: „Über das Tübinger Studium selbst ist in der Goerdeler-Literatur wenig zu lesen, und die […] Jugend­erinnerungen brechen vorher ab.“[2] Bemerkenswert für Studentenhistoriker: Carl Friedrich Goerdeler war Turnerschafter. Seine Eberhardina hatte in jenen Jahren ihre Konstante im Gasthof „Zur Linde“ in der Rottenbur­ger Straße 1, Ecke Deren­dinger Straße, am Rand der Tübinger Altstadt, in Richtung der Vorstadt Derendingen. Dort war er dementsprechend regelmäßig anzutreffen.

Briefmarke für Carl Friedrich Goerdeler, 1964

Carl Friedrich Goerdeler studierte ab dem Wintersemester 1902/1903 bis zum Wintersemester 1903/1904 drei Se­mester an der Tübinger Universität. Inhaltlich lassen sich drei Studienschwer­punkte ausmachen, die in etwa die gleichen An­teile haben: Einführungsvorlesungen zum bürgerlichen Recht, Römisches Recht und historische Vorlesungen. Goerdelers eigene Aus­sage „wenige Vor­lesungen, meist allgemein bildender Art, vor­nehmlich histori­sche, gehört“[3] lässt sich insofern unterstützen, als dass die juristischen Veranstaltungen für ihn wohl eher historische oder politische als fachlich-vertiefende Aspekte hatten.

Gerhard Ritter schloß aus Goerdelers Aussage darauf, dass er „also das juri­stische Studium nicht allzu wichtig genommen“[4] habe. Aller­dings sind Vorlesungen zum Römischen Recht in erster Linie als historisch zu verstehen, wobei sie einem grundlegenden Ver­ständnis juristischer Materie dienen. Zusammen mit den Einfüh­rungsvorlesungen zum bürgerlichen Recht kann man also, etwas anders als Ritter es sieht, durch­aus von einem Grundlagenstudium der Rechts­wissenschaften sprechen. Die besuchten historischen Vorlesun­gen lassen sich als profunde Ergänzung verstehen. Sie beziehen sich auf „Das Zeitalter Napoleons und der Freiheits­kriege“,[5] „Die Ent­wicklung des preußischen Staates“,[6] die „Ge­schichte der neu­sten Zeit“[7] und „Die Streitigkeiten der deut­schen Staaten mit der katholischen Kirche“[8] und somit auf poli­tische Themen, die im engen Zusammenhang mit der Entste­hung des Kaiserreichs und den tagespolitischen Problemen der damaligen Zeit standen. Die Beschäftigung mit der preußischen Staatsgeschichte ist vermut­lich auch im Zusammenhang mit der „friderizianischen Tradi­tion“[9] der westpreußischen Beamten­familie Goerdeler zu sehen. Die Auseinandersetzung mit der Ent­wicklung Preußens diente zugleich dazu, die Position der ei­genen Familie im Beamtenbür­gertum innerhalb des Staates zu reflektieren; sie diente somit der Definition des eigenen Selbst­bildes. Die besuchten Vorlesun­gen festigten bereits vorhandene Ansichten, die im Elternhaus tra­diert wurden. Sie bildeten daher gewissermaßen die Fortset­zung der von den Eltern begonnenen Erziehung: „Es fehl­te auch nicht an musischen Interessen; aber die politisch-histori­sche Bil­dung stand doch, dem Stil dieses Le­benskreises entspre­chend, weitaus im Vordergrund. Die Mutter las gern Biogra­phien, Me­moiren, geschichtliche Werke, und abends im Famili­enkreise gab es im­mer viel politische Debatten, vollends seit der Vater 1899 freikon­servativer Landtagsabgeord­neter geworden war.“[10]

Ein fröhlicher Korporierter

In den Strafakten der Universität finden sich zu Carl Goer­deler drei Einträge für Bußgelder. Am 2. März 1903 zahlte der Student vier Mark Strafe „wegen Ruhestörung“[11] und im selben Jahr nochmals vier Mark „wegen verbotenem Singens.“[12] 1904 folgte ein weiteres Bußgeld über fünf Mark, wegen desselben De­likts. Die Strafen stehen vermutlich im Zusammenhang mit Aus­flügen der Aktivitas der Eberhardina. Carl Goerdeler war am 21. Januar, zusammen mit den anderen Brandfüxen, geburscht wor­den und focht auf dem Pauktag am 23. Februar eine Partie.[13] Das Aktivensemester endete – nach einer abschließenden Kneipe am 26. Februar – am 5. März, sodass davon auszugehen ist, dass die jun­gen Burschen in dieser Zeit feuchtfröhlich durch Tübin­gen zogen und dabei im Übermut vermutlich auch für die eine oder andere Ruhestörung verantwortlich waren.[14] Anlass für das Buß­geld Goerdelers war offenbar eine Abschiedsfeier: „Am Montag den 2. März feierten die uns zu Ostern ver­lassenden a. B. a. B. ihren Abschied von Tübs auf der Exkneipe.“[15]

Das Fechten war dabei insbesondere eine Vorliebe von Carl Friedrich und Fritz Her­mann Goerdeler. In den Altherrenzeitun­gen aus ihrer Akti­ven­zeit finden sich insgesamt sieben verzeich­nete Mensuren zu Carl[16] und acht zu seinem jüngsten Bruder, Fritz Goer­deler,[17] in deren Verlauf fast aus­nahmslos „Blutige“ – also Treffer – vom Protokollanten festzu­halten wa­ren.

Innerhalb der Korporation genoß Carl Goerdeler offenbar großes Ansehen. Für die unparteiische Teilnahme an einem Ehrengericht, erhielt er beispielsweise seitens des Convents zeit­lich befristete Altherrenrechte zugesprochen.[18] Er war Erst­char­gierter der Aktivitas, Schriftwart und Kassenprüfer. Wäh­rend seiner Aktivenzeit hatte er zudem mehrere Leibfüxe und er­hielt nach seinem Studienortswechsel die Erlaubnis des Con­vents, auch in Königsberg bei den dortigen Korporationen im Band auf­treten zu dürfen.[19] Möglicherweise kam über Carl Friedrich und seinen gleichfalls bei Eberhardina aktiven Bruder Fritz Hermann Goerdeler auch der Kontakt zur Königsberger Turnerschaft Markomannia zustande, die 1951 mit Eberhardina zur Alten Turnerschaft Eberhardina-Marko­mannia zu Tübingen fusionierte. Jedenfalls ist davon auszu­gehen, dass vor allem Carl Goerdeler auf kommunalpolitischer Ebene mit den Korpora­tio­nen in Preußens alter Königsstadt verschie­dentlich zu tun ge­habt haben dürfte, und zwar in seiner Zeit als Zweiter Bürgermei­ster der Stadt Königsberg.

Das Umfeld im Widerstand

Wir blicken in die Jahre des Zweiten Weltkriegs, in den Widerstand gegen Hitler. Goerdeler war der wohl aktivste und effizienteste zivile Widerstandskämpfer. In seiner letzten Ministerliste, der des Schattenkabinetts Beck/Goerdeler aus dem Juli 1944, wird Ulrich von Hassell als Hauptkandidat für das Außenministerium betrachtet, Eugen Bolz als möglicher Kul­tusminister.[20] Diese Ämterverteilung deutet darauf hin, dass diese beiden Personalien, im Gegensatz zu einigen anderen potentiellen Kan­didaten, für Goerdeler scheinbar fest zum Kern des neuen Kabi­netts gehörten. Die Grundlage dieses Vertrauens lag eventuell in der Studienzeit begründet, die alle drei nach Tübingen geführt hatte. Ulrich von Hassell setzte für drei Semester vom Sommer 1900 bis zum Sommer 1901 sein in Lausanne begonnenes Stu­dium der Rechtswissenschaften in Tübingen fort und absolvierte in dieser Zeit eine Aktivenzeit beim dortigen Corps Suevia, bevor er nach Berlin wechselte. Der Studienschwerpunkt lag hier, sofern er die Veran­staltungen denn tatsächlich besuchte,[21] auf dem bürger­li­chen Recht, insbesondere in Einführungsvorlesungen zum Bür­gerli­chen Gesetzbuch, welches zu diesem Zeitpunkt erst neu in Kraft getreten war. Dazu kamen einzelne Veranstaltungen zum deut­schen Staatsrecht und seiner Geschichte.[22] Angemerkt sei, dass in der Studentenakte im Sommersemester 1901 die Ver­an­staltung Konkursrecht in anderer Farbe gestrichen wurde, möglicherweise wegen des Nichtbestehens des Testats. Eventuell ist dies auch ein Beleg dafür, dass die Aktivenzeit in einer Kor­po­ration dem Studium schon damals nicht besonders förderlich gewesen sein dürfte.

Ein sehr umstrittenes Thema der Forschung zu Carl Goerdeler ist dessen Haltung zum Judentum und zu jüdischen Mitbürgern. Bei Christoph Markschies findet sich eine übersichtliche Zusam­menfassung, die zeigt, dass Goerdelers Bild des Judentums von der Jugend hin zur Amtstätigkeit als Oberbürgermeister Leipzigs einem starken Wandel unterworfen war. Eine ausführliche Stu­die zu Goerdelers Kritik an der Judenverfolgung der National­sozialisten, die detailliert die Schriften der 1930er Jahre und die Ereignisse in Leipzig beschreibt, findet sich bei Peter Hoff­mann.[23] Allerdings fällt die Darstellung insgesamt sehr einseitig zu seinen Gunsten aus, weshalb die offen bekundete Antipathie Goerdelers gegen Juden, insbesondere aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nur wenig Beachtung findet.[24] Dieses komplexe Thema lässt sich jeweils nur innerhalb der verschiedenen Le­bensabschnitte fassen, da diese die jeweils aktuelle Sicht Goerdelers zu dieser Materie klar aufzeigen. Eine übergeordnete Zusammenfassung der extrem divergierenden Äußerungen sei­nerseits ist kaum möglich. Unter dem Eindruck der staatlich organisierten, massiven Gewalt gegen jüdische Mitbürger, stellte sich Goerdeler schützend vor einen Teil der jüdischen Kultur in Deutschland und provozierte damit die eigene Benachteiligung durch das NS-Regime.

Ein Gesamtbild kann jedoch nur entste­hen, wenn man neben die späteren Ansichten auch die des jungen Studenten setzt und neben die Erfahrungen von Welt­krieg, Staatswechseln und dem Untergang des Rechtsstaats die Prägung eines jungen, konserva­tiven Westpreußen im Kaiser­reich. In einem von Goerdeler verfassten Aktivenbericht aus dem Februar 1904 findet sich eine ganz andere Auffassung gegenüber Juden, die dieses Bild ein Stück weiter vervollständigen kann: „Ein größerer Teil unserer Konvents­verhandlungen in diesem Quartal bezog sich auf unsere Stellung zu den in letzter Zeit in Tübingen leider recht zahlreich erschie­nenen Juden. Verschiedene Prüge­leien zwischen ihnen und an­deren Studenten machten uns auf diese Herren aufmerksam. Da wir infolge mehrfacher Erkundi­gungen Grund zur Annahme hatten, es könnte sich im nächsten Semester eine jüdische Ver­bindung auftun, so kamen wir zu dem Entschlusse, nicht für uns allein eine abwartende Stellung einzu­nehmen, sondern im Ver­ein mit den anderen schlagenden Ver­bänden und Korporationen vorzugehen. Meine Besprechungen mit den betreffenden ersten Chargierten ließen diesen Weg als erfolgreich erscheinen und so beriefen wir auf den 6. II. eine Vertreterversammlung, die von uns geleitet, einstimmig den Antrag unseres Vertreters annahm. Er lautet: ‚Die schlagenden Korporationen Tübingens mit eige­nen Waffen sprechen den An­gehörigen von Verbindungen mit jüdischen Tendenzen die Satis­faktionsfähigkeit ab.‘ Damit haben wir vor anderen Universitä­ten viel voraus und können hoffent­lich unserem lieben Tübingen den Vorzug der Judenreinheit und damit des anständigen Tones erhalten. Vorläufig aber gehen wir größeren Teils zur Kneipe nur mit handfesten Stöcken bewaff­net.“[25]

Entscheidender Wandel: Carl Goerdeler und das Judentum

Der latente Antisemitismus des Berichts ist nicht von der Hand zu weisen und überrascht in seiner Schärfe, wenn man Goerdelers spätere Haltung zum Judentum dazu vergleicht. Die Überzeugung, das Judentum, auch mit Gewalt, aus Tübingen heraushalten und entfernen zu müssen, wird in den Formulie­rungen sehr deutlich und spiegelt offenbar auch seine persönli­che Haltung dazu wider. Der Student Goerdeler wollte, genauso wie seine Kommilitonen des eigenen Bundes und wie die ande­rer Korporationen, verhindern, dass sich jüdische Studenten, oder jüdische Korporatio­nen am Ort ansiedelten. Die Gründung einer jüdischen Korpo­ration verstanden sie als einen Angriff auf die eigenen Prinzi­pien. Diese Meinung steht in direktem Widerspruch zu Goerde­lers Verhalten gegenüber der NSDAP und den Repressionen gegen Juden in Leipzig zur Mitte der 1930er Jahre.[26] Die Ab­wehrhaltung gegenüber dem jüdischen Bildungsbürgertum in Form von Studenten steht dabei im Kontrast zu dem von Mark­schies skizzierten Bild, nach dem Goerdeler einer positiven „Konzentration auf bildungsbürgerliche Erscheinungen des Ju­dentums“[27] folgte, entspricht aber der dort bereits anklingen­den Ambivalenz: „Wieder geht es um bildungsbürgerliches Kultur­gut, um Zeugnisse des assimilierten Judentums; es geht nicht um jüdische Mitbürger.“[28]

Peter Hoffmann ist es gelungen, die Veränderung der Goerdelerschen Welt­sicht zu erklären, und zwar durch die Erlebnisse des Hauptmanns im Stab der 10. Armee unter General Falkenhayn im Polen direkt nach dem Ersten Weltkrieg: „Er hatte unmittelbare Kenntnis von vielen Gräueltaten, Pogromen, Plünderungen, Misshandlungen und Morden an Juden, die in Polen und Weißrussland sowie in an­deren osteuropäischen Staaten in den Jahren 1918 bis 1921 mit Billigung oder Ermutigung durch die jeweiligen Regierungen ge­schahen.“[29] Dem Gerechtigkeitssinn des Juristen Goerdeler konn­ten diese Vorgänge mutmaßlich nicht entsprechen. Aller­dings fehlen schriftliche Belege seiner Ansichten zu dieser Zeit, die eine Positionierung klarer eingrenzen könnten. Diese finden sich dann umso klarer und in großer Zahl in den 1940er Jahren, insbesondere aus der Haft in Berlin-Plötzensee:[30] „In seiner Denkschrift ‚Das Ziel‘ von 1941 legte Goerdeler seine grundsätzliche Haltung zur ‚Ju­denfrage‘ eindrücklich dar, indem er sich für die Schaffung eines jüdischen Staates in Ka­nada oder Südamerika einsetzte und damit an Vorstellungen an­knüpfte, die immerhin Gegen­stand der Beratungen auf der inter­nationalen Konferenz von Evian im Spätsommer 1938 gewe­sen waren. Auf dieser Grundlage wollte er die in Deutschland lebenden Juden als reguläre Ausländer be­handeln, ihnen mit der Staatsbürgerschaft das Wahlrecht und den Zugang zu öffent­lichen Ämtern entziehen, sie aber wirt­schaftlich auf die gleiche Ebene wie die deutsche Bevölkerung stellen.“[31]

Seine Auffassung eines funktionierenden Rechtsstaats jedenfalls auch den frühen Ressentiments deutlich übergeordnet. Bei Goerdeler hatte zweifelsohne ein entscheidender Wandel zu einem positiven Verhalten gegenüber jüdischen Mitbürgern und ihrer Kultur stattgefunden. Hans Mommsen hält fest, dass Goerdeler verlangte, „die auf die Expropriierung und soziale Segre­gierung des deutschen Judentums gerichteten Maßnahmen wie dessen Entrechtung unverzüglich rückgängig zu machen.“[32] Dies sei nicht nur aus außenpolitischen Gründen zur Wiederher­stel­lung des deutschen Ansehens, sondern auch der deutschen Selbstachtung und um der Gerechtigkeit willen geboten gewesen. Nochmals Mommsen: „In dem Text der vorbereiteten ‚Regierungserklärung‘ wurde Goerdeler deutlicher: ‚Die Judenverfolgung‘, heißt es dort, ‚die sich in den unmenschlichsten und unbarmherzigsten, tief beschämenden und gar nicht wiedergutzumachenden Formen vollzogen hat, ist sofort eingestellt.‘“[33]

Auf persönlichen Befehl Hitlers

Starb wie Goerdeler am 2. Februar 1945 in der Haftanstalt Plötzensee: Jesuitenpater Alfred Delp SJ

Carl Friedrich Goerdeler gehört zu den Korporierten im Widerstand, und er war über seinen Studienort Tübingen mit verschiedenen Zirkeln eng vernetzt, die aktiv am Sturz Hitlers arbeiteten. Zu nennen sind hier auch die Freiburger Kreise und Dietrich Bonhoeffer.[34] Goerdeler am 12. August 1944 verhaftet. Am 8. September 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof unter dem Vorsitz Roland Freislers zusammen mit Wilhelm Leuschner, Josef Wirmer und Ulrich von Hassell wegen „Verrats am Volke“ zum Tode. In der Hoffnung, von ihm die Namen weiterer Verschwörer durch Folterungen zu erfahren, wurde seine Hinrichtung allerdings immer wieder verschoben. Doch Goerdeler, der alle Namen kannte, verriet niemanden.

Am 2. Februar 1945 endete dann Goerdelers Leben nach schlimmen Wochen der Folter und der Ungewissheit gewaltsam, am selben Tag übirgens wie das des Jesuitenpaters Alfred Delp S.J.; auf persönlichen Befehl Hitlers wurden beide, Goerdeler und Delp, in Berlin-Plötzensee durch grausames Erhängen an einer Drahtschlinge hingerichtet. Wenige Tage vor ihnen starb der gleichfalls höchst bedeutende Widerstandskämpfe Hellmuth James Graf v. Moltke. Mit Dietrich Bonhoeffer sollte Hitlers persönlicher Todesbefehl im übrigen einen weiteren Korporierten treffen. Bonhoeffer war Alter Herr der Verbindung „Igel“, gleichfalls in Tübingen.


[1]       Markschies, Christoph, „Carl und Friedrich Goerde­ler“, in: Mehlhausen, Joachim, Zeugen des Widerstands, Tübingen 1996, S. 142 – 172; Hille, Claudius, Die Studienzeit der vier Brüder  Goerdeler – Überzeugungen, Inhalte und Perspektiven, in: Die Vorträge der 79. deutschen Studentenhistorikertagung Jena 2019, Beiträge zur deutschen Studentengeschichte, Band 36, München 2020, S. 137 – 154,: dort auch die Langfassung dieses Textes, ursprünglich auch zu den drei Brüdern Goerdelers.

[2]       Markschies, S. 145.

[3]       Zitiert nach: Ritter, Gerhard, Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, Stutt­gart 1954, S. 18.

[4]       Ritter, S. 18.

[5]       Studentenakte „Goerdeler, Karl“, 40 / 72 Nr. 18, Universitätsarchiv Tübin­gen, S. 5.

[6]       Ebd., S. 7.

[7]       Ebd., S. 9.

[8]       Ebd., S. 7.

[9]       Tiefensee, Gerd-Dietrich, „Dr. Carl und Dr. Fritz Goerdeler. Zwei Turner­schaf­ter im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, in: Österreichischer Verein für Studentengeschichte (Hrsg.), Korporierte im Widerstand gegen den National­sozialismus, Wien 1997, S. 184.

[10]     Ritter, S. 17.

[11]     Strafakten, 122 / 19 Nr. 1718, Universitätsarchiv Tübingen.

[12]     Ebd..

[13]     Vgl. Simon, Karl, „Aus Tübingen“, in: Eberhardiner-Zeitung, 8. Jg., Nr. 3, 1903, S. 34.

[14]     Vgl. Simon, S. 36.

[15]     Simon, S. 36.

[16]     Vgl. Eberhardiner-Zeitung, 8. Jg, 1903, Nr. 3, S. 34 und 45; Nr. 8, S. 103 und 9. Jg., 1904, Nr. 1, S. 19; Nr. 2, S. 34; Nr. 3, S. 61.

[17]     Vgl. Eberhardiner-Zeitung, 9. Jg, 1904, Nr. 7, S. 129; Nr. 9, S. 170 und 10. Jg., 1905, Nr. 1, S. 4 und 5; Nr. 2, S. 21 – 22; Nr. 6, S. 81 – 82; Nr. 7, S. 93.

[18]     Vgl. Burschenconventsprotokolle der Turnerschaft Eberhardina: 5. ord. BC v. 5/XI 04, Tübingen 1904.

[19]     Vgl. Burschenconventsprotokolle der Turnerschaft Eberhardina: 10 ord. BC am 11. Mai 1904, Tübingen 1904.

[20]     Ritter, Gerhard, Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, Stutt­gart 1954, S. 603.

[21]     Vgl. Markschies, S. 146: „Die Erinnerungen Ulrich von Hassells spre­chen hier eine deutliche Sprache: ‚Im dritten Semester betrat ich die Univer­sität nur einmal, nämlich als ich in ihrer Nähe ein menschliches Rühren spürte und den betreffenden Zufluchtsort aufsuchte.‘“

[22]     Vgl. Studentenakte „Hassell v., Ulrich“, 40 / 85 Nr. 62, Universitätsarchiv Tübingen.

[23]     Hoffmann, Peter, Carl Goerdeler gegen die Verfolgung der Juden, Köln 2013.

[24]     Vgl. hierzu auch: Brechtken, Markus, „Der Widerstand und die Juden. Peter Hoffmann: Carl Goerdeler gegen die Verfolgung der Juden“, in: Frank­furter Allge­meine Zeitung Online, Rezension vom 29. Juli 2013, online abrufbar unter https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/peter-hoffmann-carl-goerdeler-gegen-die-verfolgung-der-juden-der-widerstand-und-die-juden-12310492.html

[25]     Goerdeler, Carl, „Aus Tübingen“, in: Eberhardiner-Zeitung, 9. Jg., Nr. 2, 1904, S. 33 – 34.

[26]     Details hierzu finden sich bei Markschies, S. 159 – 164.

[27]     Markschies, S. 160.

[28]     Markschies, S. 161.

[29]     Hoffmann, S. 53.

[30]     Vgl. hierzu Mommsen, Hans, Alternative zu Hitler. Studien zur Geschichte des deutschen Widerstands, München 2000, S. 384 – 391.

[31]     Mommsen, S. 390.

[32]     Ebd.

[33]     Mommsen, S. 390 f.

[34]     Siehe dazu: Sigler, Sebastian, Franz Böhm – wie einer der Väter der sozialen Marktwirtschaft der Gestapo entkam, in: ders. (Hrsg.): Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler, Berlin 2015, S. 229 – 248; ders., Denken und Handeln für Wahrheit und Freiheit – das Lebenswerk Walter Euckens, in: ebd., S. 249–268.

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