200 Jahre Zofingia, zwei gewichtige Festschriften

Mit der legendären Fahrt in den Sihlwald am 23. Oktober 1818 fing alles an. Mit gleich zwei fulminanten Festschriften für die Sektion Zürich einerseits und den Zentralverband andererseits wurde das Jubiläum mehr als würdig markiert. Zofingia ist in der Schweiz eine Größe – als studentischer Dachverband, aber auch als konstitutiver Teil der bürgerlichen Gesellschaft der Schweiz.

FESTSCHRIFT 1 – ZOFINGIA ZÜRICH

200 Jahre: Zofingia Zürich feiert mit einer eigenen Festschrift, die es in sich hat

Im Jahre 2019, und das war das Jahr, wo so etwas noch ging, macht Zofingia Zürich am Beginn des März den Anfang, was die Festivitäten der Zofinger zu ihrem in der gesamten Schweiz gefeierten 200. Jubiläum betrifft. Ein wahrlich beeindruckender Festakt in der Aula der ETH – wohlgemerkt mit Festansprache des Rektors! – leitete einen Festtag ein, der wahrlich lautstark vonstatten ging, als Zofingia mit ihren Gästen, geleitet von einer sensationell lauten Guggenmusik, die sich aber schräger Töne tunlichst enthielt und stattdessen studentische Lieder zum Besten gab. Unter dieser Begleitung und – selbstredend – unter der Verursachung von kurzfristigem Verkehrschaos begab sich die Versammlung sodann mitten in die Zürcher Altstadt, in das Zunfthaus „Zur Schmiden“. Zofingia Zürich und ihre Gäste, der Autor dieser Zeilen gehörte auch dazu, verlebten einen wahrlich rauschend-bierseligen und überaus würdigen Abend mit Dinner, Kommers und viel Gesang.

Warum solch eine opulente Feier möglich war, illustriert die Festschrift, die nun erschienen ist. Ein Herausgeberteam unter Leitung von Paul Ehinger zeichnet verantwortlich. Ein reich bebildertes, 561 Seiten starkes Werk in einem großen Quartformat, auf schwerem, ausgezeichnetes Bilderdruckpapier ist entstanden – hier lassen sich 200 Jahre Geschichte wahrhaft würdig unterbringen! Unter der Leitung von Paul Ehinger gelingt es auf rund 400 Seiten, die 400 Semester der Zofingia würdig, objektiv und dabei nicht ohne Augenzwinkern zu präsentieren – das vorab.

Ein Kapitel über die Sihlwaldfahrt 1818, die zur Erinnerung an das Wartburgfest 1817 abgehalten wurde, steht am Anfang. Mit dieser Fahrt begann die Geschichte des Zofingerverbandes ebenso wie der Zürcher Sektion. Gleich danach präsentiert sich „Zofingia Zürich als Gründungssektion des Schweizerischen Zofingervereins“, wobei hier auch die Berner mitgespielt haben dürften. Am ehesten war’s demnach der 21. Juli 1819, an dem der Zofingerverein gestiftet wurde, wobei es durchaus schon Vorläufer zu Gründung gab, weswegen auch manch alte Couleurkarte das Jahr 1818 für Zofingia angibt. Der Schritt in die akademische Welt wird sorgfältig dokumentiert – der Name Alfred Escher ist hier wichtig. Die diversen Spaltungen, aus denen Helveter und Neuzofinger stammten, werden getreulich dokuentiert – und damit transparent. Zofingia überlebte gestärkt, auch das wird deutlich.

Auch die Fechtfrage transparent dokumentiert

Eine wichtige Herausforderung bildete die Frage, ob das akademische Fechten bei Zofingia obligatorisch sein solle. In Zürich fielen in dieser Frage wichtige Entscheidungen, die den gesamten Zentralverband berührten, darum ist dieses Buch gerade auch in dieser Frage ein wichtiges Desiderat. Das Jahr 1903 brachte, ausgehend von der Fechtfrage, schwere Zeiten für Zofingia, denn der Zentralverband verbot seiner Zürcher Sektion fürderhin, Mensuren zu fechten. Die Folgen waren erheblich – in der Festschrift ist alles ungeschönt nachzulesen. Sehr interessant!

Zofingia Zürich: zahlreiche Bilder aus einer ruhmvollen Vergangenheit

Auf einzelne Punkte der Darstellungen der Geschehnisse im 20. Jahrhundert kann hier nur ganz knapp und kursorisch eingegangen werden, denn die Materialfülle ist einfach enorm. Und vielleicht wird ein Leser, der nicht das Zürcher Zofingerband trägt, zum Beispiel Teile der detaillierten Schilderungen der Diskussionen rund um den Ersten Weltkrieg oder auch die Auseinandersetzungen UBT – IZ überblättern, ohne allzu viel an esentiellem Wissen ausgelassen zu haben. Interessant ist jedoch, daß die von Paul Ehinger angeführten Herausgeber nie den gesellschaftlich-politischen Kompaß aus den Augen verlieren. Denn aus der Sicht der Zeitzeugen war die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eben nicht nur durch Kriege in Europa, sondern vor allem auch vom Kampf gegen den weltweit um sich greifenden Kommunismus und den Sozialismus geprägt. Letztere Auseinandersetzung dürfte für die Mehrzahl der Zofinger durchaus im Mittelpunkt ihres Interesses und ihrer Befürchtungen, damit aber auch ihres Engagements gestanden haben. Hier können die Sicht der Zeitgenossen und die der 100 Jahre später Lesenden ganz deutlich divergieren. Auch dafür ist die Lektüre eines solchen Buches vielleicht manchem eine gute Lehrstunde. Und das spricht für die Qualität dieses Werkes!

Dunkle Seiten nicht ausgeblendet

Eine Qualität ist es auch, die wenig ruhmvollen Stunden nicht auszublenden. Vom Antisemitismus, dessen gewaltige toxische Kraft in Deutschland und Österreich für gewaltige Katastrophen sorgte, blieb auch Zofingia nicht ganz verschont. Doch völlig richtig wird die sodann das Wirken des Zürcher Zofingers Max Imboden beleuchtet und gewürdigt, der dem Vordringen des faschistischen und nationalsozialistischen Gedankengutes Einhalt zu gebieten wußte. Folgerichtig florierte Zofingia die ganzen 1940er Jahre hindurch – was in dieser Zeit andernorts geschah, ist hinlänglich bekannt. Und für die Zeit der 1950er Jahre, als in Deutschland und Österreich die Korporationen erst allmählich wieder zu ihren Wurzeln finden mußten, kann Mitherausgeber Alex Kuhn ohne Einschränkung von einer „Blütezeit“ berichten, die auch keine 68er-Krise wirklich beenden konnte. Hans Wälty übernimmt dann ie Schilderung der jüngsten vier Jahrzehnte inclusive einer bilderreichen und informativen Schilderung des großen Jubiläums des Jahres 2019. Bemerkenswert gut gelungen ist auch diese aktuelle Geschichtsschreibung, was für die heutigen Zofinger erfreulich ist. Wichtiger: Für die Zofinger, die im Jahre 2059 das 500. Semester festlich begehen, wird dieses Buch damit zu einer unverzichtbaren Quelle. Und für alle späteren sowieso.

Dezenter, schöner Einband, gewichtiger Inhalt: 200 Jahre Zofingia Zürich

Ein umfangreicher Anhang schließt sich an. Darin enthalten sind wertvolle photographische Erinnerungen, zum Beispiel an Zentralfestfahrten in so manchem Jahrzehnt, aber von einzelnen „Anlässen“. Dazu kommt eine komplette Namensliste aller Zürcher Zofinger seit 1819. Eine solch vorbildliche prosopographische Historiographie ist sonst traditionell nur beim KSCV zu finden.

Dezent ist der Einband, insgesamt sehr gut ist die Bildwiedergabe, und auch die bei einem solch gewichtigen Werk obligatorische Fadenheftung ist vorhanden – drei Lesefäden in Rot, Weiß und Rot wären sicherlich gut angekommen bei der Leserschaft. Der Einband, dessen einziges kleines Manko der flache Rücken ist, wurde solide produziert – insgesamt ist „Zofingia Zürich 1819 – 2019“ ein Schmuckstück für jede gut sortierte Bibliothek!

Festschrift für den Schweizer Zofingerverband

Korporierte Lebensfreude pur: die Festschrift des Zofinger-Zentralverbandes

Mag auch in Zürich – wie übrigens auch in Bern – die Wiege der Zofingia gestanden haben, so handelt es sich doch, anders als bei deutschen Korporationen, um einen Zentralverband, in dem die Zürcher Sektion ein Teil eines größeren Ganzen ist. Von der Gründungsgeschichte her ergeben sich bei diesem gesamtschweizerischen Zofingerverein gewisse Parallelen zur Burschenschaft, denn die Sihlwaldfahrt war vom Wartburgfest, das wenige Tage zuvor stattgefunden hatte, durchaus inspiriert. Hier wie dort spielen zudem die jeweiligen Landesfarben eine große Rolle. Doch so weit die Entwicklung der Schweiz von den Wirrungen der deutschen Geschichte entfernt ist, so grundsätzlich ist auch die Zofingia von der burschenschaftlichen Bewegung nördlich des Rheins unterschieden. Die Zofinger sind in der Mitte der Schweizer Gesellschaft, nach wie vor, und so feierte der Zofinger-Zentralverband sein großes Jubiläum auch parallel zum Stadtfest der Zofingener Bürger, mitten auf dem Marktplatz, im Herzen der Stadt in der westlich, zum Jura hin gelegenen Stadt, nach der sich der ganze Dachverband genannt hat.

Wie sehr Zofingia ein integraler Teil der bürgerlichen Gesellschaft in der gesamten Schweiz ist, drückt sich nicht zuletzt in einem großen Text-Bild-Band in „Coffeetable“-Qualität aus, den sich der Zofinger-Zentralverband zu seinem 200. Stiftungsfest gegeben hat. Eine weiße Mütze mit dem rot-weiß-roten Band fliegt schon auf dem Titelbild des großen Werkes in die Höhe, wie der Rezensent bereits auf dem Portal des Brücklmeiervereins bemerkt hatte. Die Ausführungen, die dort nach wie vor zu finden sind, seien im folgenden wiedergegeben, denn würdig feiern – das kann Zofingia.

Gleich zu Beginn des Bandes beginnt das Entdecken. Die drei Lesefäden in rot, Weiß und wieder Rot erfreuen sogleich. Die Gestaltung der Titelseiten zeigt ein typisches schweizerisches, vornehm-zurückhaltendes Layout ohne überflüssigen Zierrat. Die Botschaften, die dies Buch vermitteln soll – sie sind schon damit ab der ersten Seite glasklar erkennbar. Im wahrsten Sinne erfrischend sind die Bilder vom Zentralfest anläßlich der 200-Jahrfeier in Zofingen – das Bad einiger Zofinger im großen Brunnen auf dem Thutplatz ihrer korporationsgeschichtlichen Heimatstadt ist selbstredend im Bild festgehalten. Die Texte sind kongenial, für ihre Zusammenstellung zeichnet Ronald Roggen verantwortlich, der bei Zofingia den Biernamen „Chaplin“ trägt. Die Grußworte sind in diese Passage des Buches, die im besten Sinne einem Bildband gleichkommt, sehr stimmig eingebunden. Sie lassen sich unter dem Titel „Une source de i’inspiration“ subsummieren, mit dem einer der abwechselnd in deutsch und französisch abgedruckten Texte überschrieben ist. Das Grußwort des Bundespräsidenten Ueli Maurer ist gleich in beiden Sprachen abgedruckt. Ein inniges Gebet, doppelseitig, vor dem Hintergrund einer von Ferdinand Hodler gemalten Schweizer Bergkulisse, beschließt die Vorworte. Dankbarkeit gegenüber den Menschen und Gott – Zofingia kann’s.

Die erste Abteilung ist mit „Patriae“ überschrieben. Kritisch, jedoch ohne unnötige Selbstzweifel werden die Bezüge von Zofingern zu ihrem Land, der Schweiz gezeigt. Der Leser gewinnt den Eindruck, daß mit Sorgfalt die wichtigen Meilensteine aus zwei Jahrhunderten ausgesucht wurden. Hervorgehobene Persönlichkeiten wie der General Guisan werden mit einer Fotostrecke bedacht – Verehrung und Kultstatus sind jedoch konsequent vermieden worden. Bedeutende militärische Beiträge für das Gemeinwesen stehen neben kulturellen und politischen Leistungen. So entsteht das Bild einer in besten Sinne patriotischen, ihrem Gemeinwesen mit Herz und Hand verpflichteten Gemeinschaft. Patria – Zofingia kann’s.

Bevor es zur „bierernsten“ Geschichte geht – die der Rezensent wie wohl jeder Leser zu Beginn dieses prachtvoll zu lesenden Bandes erwartet hätte –, kommen die Freundschaft und die Fröhlichkeit zu Ehren: „Amicitiae“! Liedtexte, Berichte von Festivitäten, die „Läupeler, die Zentralfeste, dazu Berichte aus den einzelnen Sektionen des Zentralverbandes inclusive der Bilder von allen „Blanches“, den Zofingerhäusern: das ist Lesestoff für die Zofinger aus der ganzen Schweiz. Beschlossen wird dieser Abschnitt von einigen konstitutiven und damit wichtigen Aufsätzen. Hervorgehoben seien die Zeilen des Helveters Jürg Andrea Bossardt zum Verhältnis der „lieben Schwestern“ Zofingia und Helvetia sowie der auf deutsch wie auch auf französisch abgedruckte, grundlegende Aufsatz von Paul Ehinger. Freundschaft bei festen Grundsätzen – Zofingia kann’s.

Im Kapitel „Litteris“ geht es – keine Überraschung um den akademischen Hintergrund des Zofingerverbandes. Beginnend mit einer löblichen Abhandlung über die Universitäten findet sich der geneigte schon bald mitten in der Prosopographie, der Personengeschichte der Schweiz des 19. und 20. Jahrhunderts. Beeindruckend die Zahl der Zofinger, die bedeutendes leisteten und teils noch heute weltbekannt sind. Ausführlich gewürdigt wird Jeremias Gotthelf. Die Nobelpreisträger, die Zofinger waren, erhalten ihre verdiente Würdigung ebenso wie Jakob Burckhardt, Conrad Ferdinand Meyer und Carl Gustav Jung, allgemein bekannt unter „C. G. Jung“. Karl Barth, Ferdinand Hodler und Max Imboden fehlen natürlich auch nicht. Und das ist nur eine Auswahl! Hohe Bildung und Bürgersinn bei der Gestaltung der schweizerischen, ja, der europäischen Geistesgeschichte – Zofingia kann’s.

„Idea“ – ein ganz kurzes Kapitel. Ungewöhnlich für eine Jubiläumsschrift. Solch eine reizvolle, persönliche, teils auch anrührende Sammlung von Überlegungen, Notizen und Zitaten hat der Rezensent sonst noch nirgendwo entdeckt. Perlen, scheinbar zusammenhanglos nebeneinander liegend – scheinbar. Vom Rütlischwur bis zum 11. September, vom Lob der Altphilologie bis zu den Bekenntnissen eines Busfahrers, Bibelzitate nicht zu vergessen: alles ist dabei. Dies Kapitel, sechs Seiten hat es nur, ist eine Perle an sich, von Anfang bis Ende lesenswert. Und was für eine schöne Idee! Zofingia bekommt hier Herz und Seele, und der Verstand blitzt immer wieder auf. Philosophie – Zofingia kann’s.

„Retro“ – Und dann, zum Schluß dieses großen Bandes, kommt sie, die geschichtliche Würdigung der Zofinigia. Doch wieder sucht der Leser die trockene Lektüre vergebens. Ereignisse der Schweizer Geschichte, zuweilen auch mit weltgeschichtlichen Bezügen, werden im Hinblick auf die Beteiligung von Zofingerstudenten dargestellt. Es ist tatsächlich eine Geschichtsschau im besten Sinne, glänzend aufgemacht, auf keiner Seite langweilig. Wer hätte gedacht, daß sogar Berggipfel nach Zofingern benannt wurden? Beim Agassizhorn ist dies der Fall. Doch die Zofingia verschweigt auch nicht, daß dieser hochgerühmte Naturforscher eine – im 19. Jahrhundert freilich nicht ungewöhnliche – Sicht auf Menschen aus anderen Kontinenten hatte: zwar sah er sie als gleichwertig, durchaus aber nicht als gleichberechtigt an. Auch die dazugehörigen Diskussionen aus heutiger Zeit sind vermerkt, und zwar objektiv und unvoreingenommen, so, wie es der Duktus des ganzen Buches ist. Über die Aufzählung der bemerkenswerten Taten von Zofingern durch zwei Jahrhunderte der Versuchung der Selbstbeweihräucherung und der Nabelschau widerstehen – Zofingia kann’s.

Und so werden denn ganz „Retro“ – und doch in Vielem aktuell – die Gotthardbahn, die Organisation der Kirchen, die Rolle des Roten Kreuzes sowie die Rolle einer ganzen Reihe von Schweizern in den Weltkriegen zum Thema – denn immer waren Zofinger Hauptakteure oder zumindest Zeitzeugen. Einzelschicksale fallen ins Auge, vom Titanic-Überlebenden Max Staehelin über den General Henri Guisan bis zum legendären Schweizer Bundespräsidenten Eduard von Steiger reicht das Spektrum. Und dann kommt sie doch noch: eine kompakte, gute lesbare, das wesentliche erfassende Zusammenfassung von 200 Jahren Zofingergeschichte, auf Französisch gleichermaßen wie auf Deutsch. Solides studentenhistorisches Wissen, gut lesbar vermittelt. Wie verwurzelt die Zofinger dabei in ihrer Heimat sind, beweist eine kurze, abschließende tour d’horizon durch zwei Jahrhunderte Verfassungsgeschichte der Schweiz, nicht ohne Vision für die nächste Reform. Und natürlich nicht ohne personengeschichtliche Anmerkungen zu den jeweiligen Gestaltern – Zofingia kann’s.

Geschichte, Esprit, Lebensfreude, Verfassungsrecht – ja, Zofingia „kann“ dies alles. Dieser Band belegt es. Erfreulich ist dabei, daß der vorliegende, in seiner Schlichtheit dennoch opulente Bild-Text-Band dies auch auf s lebendige Weise veranschaulichen kann. Das Layout ist relativ stark auf das jeweilige Sujet angepaßt und verliert nur ganz selten die klare Linie. An manchen Stellen geraten die abständen von Bildern und Texten etwas knapp, sind die Unterüberschriften ein wenig verwirrend, aber dem steht das große Lob für die Macher des Bandes entgegen, über 384 hinweg ein immer anspruchsvolles, zuweilen hochkomplexes Layout konsequent durchgezogen und umgesetzt zu haben. Ein wenig stimmiger hätte die äußere Gestalt noch sein können – wer derart viel Herzblut und gewiß auch Arbeitszeit von Spezialisten ihres Faches in einen solchen Jubiläumsband hat, sollte vielleicht auch über eine hochwertigen Einband mit rundem Rücken, ja, vielleicht auch über einen Schutzumschlag nachdenken. Das ist aber kein wirklicher Kritikpunkt, sondern eine Anregung – das Vierteljahrtausend wird schließlich in knapp 100 Semestern zu feiern sein!

Eine Kommission unter dem Jubiläumspräsidenten des Schweizer Altzofingervereins, des Berner Notars Hans Georg Brunner, verantwortet dieses opulente Werk, für das gewiß manche Ressource angezapft werden mußte. Diese Festschrift, herausgegeben gemeinsam vom Zofingerverein und dem Altzofingerverein unter der redaktionellen Regie von Ronald Roggen, die hier nochmals eine lobende Erwähnung verdient hat, sollte von einem großen Leserkreis gebührend wahrgenommen werden – die Zofinger haben hier ein Signal der Lebensfreude und der tätigen Zukunftsgewandtheit gesandt. Sehr zu wünschen wäre, daß „Zofingergeist. L’esprit zofingien. 1819 – 2019“ auf recht vielen Empfangstischen von Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Clubhäusern, Universitätsbibliotheken, sonstigen öffentlichen Gebäuden und natürlich auf jedem Verbindungshaus zu finden ist, und zwar über die Schweiz hinaus. Denn in der Schweiz ist das „Couleurikertum“ durchaus noch sehr solide in einer bürgerlichen Gesellschaft verankert. Klar zu erkennen ist, daß die Korporierten in der Schweiz nicht pauschal politisch verfolgt werden – so, wie das in Deutschland zunehmend der Fall ist. Um es in einem Satz zu subsummieren: Eine fabelhafte, zweifellos sehr würdige, dabei in Bild und Wort elegante Festschrift anläßlich ihres 200. Stiftungsfestes – oh ja, Zofingia kann’s.

Bibliographische Angaben zu beiden Bänden:

Ehinger, Paul / Wälty, Hans / Kuhn, Alex (Hrsg.), Zofingia Zürich 1819 – 2019. Die Geschichte der ältesten Studentenverbindung der Zürcher Hochschulen, Zürich / Zofingen 2020, 561 Seiten, Pappband kaschiert, Fadenheftung, zahlreiche Abbildungen im Text, ISBN 978-3-033-07760-7.

Brunner, Hans Georg (CP) / Buslinger, Jean-Hugues / Christ, Markus B. / Corbellari, Alain / Ehinger, Paul / Heuzeroth, Alexander (CP) / de Luze, Frédéric-Auguste (Hrsg.), Zofingergeist – L’esprit zofingien 1819 – 2019, Zofingen 2020, 384 Seiten, Pappband matt kaschiert, Fadenheftung, ein Bildteil, zahlreiche weitere Abbildungen im Text, Privatveröffentlichung ohne ISBN. 

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