Wörterbuch der schweizerischen Studentensprache: Band 1 endlich da!

Viel Geduld und Beharrlichkeit der Verantwortlichen bei der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte, SVSt, waren nötig, bis das nun verlagsfrisch vorliegende Wörterbuch der schweizerischen Studentensprache erscheinen konnte. Neben dem Autor, Professor Roland Ris, ist hier vor allem Peter Johannes Weber zu nennen, der Lektorat und Gestaltung besorgte. Das Zustandekommen dieser Edition stärkt das wissenschaftliche Profil der SVSt .

Schweizerisches Studentenwörterbuch, Band 1

Wie wichtig dieses Werk ist, wird durch zwei Beobachtungen sichtbar. Der erste Band, der nun vorliegt, enthält die Buchstaben A bis C, was auf die Größe des Projekts schließen läßt, das damit in der Zeit der Präsidentschaft von Bendicht Rindlisbacher erfolgreich angeschoben werden konnte. Vier Bände soll das Werk letztlich umfassen – es wird damit auf Augenhöhe neben dem großen Werk von Friedhelm Golücke stehen, dessen gleichfalls vierbändiges deutsches Studentenwörterbuch bereits vorliegt. Die zweite Beobachtung: Auch der sehr bewanderte Studentenhistoriker entdeckt eine Vielzahl in Deutschland unbekannter Begriffe aus der bunten Welt des Couleurs, womit sich bestätigt, „wie sich die schweizerische von der deutschen Studentensprache in einem lange dauernden Helvetisierungsprozess herausdifferenziert hat“; so notiert der Verfasser selbst in der Einleitung.

Für dieses Wörterbuch gibt es in der Schweiz keinerlei Vorgängerwerke, auf die der Autor hätte zurückgreifen können – die schweizerische Studentensprache war bislang schlichtweg unerforscht. So hat Professor Ris die Verbindungen in der Schweiz angeschrieben, er hat sie besucht, er hat zugehört, hat in bestem Sinne germanistische Feldforschung betrieben, um diese „differenzierteste Sondersprache der Schweiz“ – so sein bemerkenswertes Urteil – faßbar und sichtbar zu machen; dazu hat er schier unendliche Regalmeter historischer Zeitungen, die die Verbindungen selbst in anderthalb Jahrhunderten herausgegeben haben, auf neue, bis dato unbekannte Begrifflichkeiten untersucht. Diese Leistung ist es, die es fortzuführen lohnt. Viel Kraft und Beharrlichkeit sei den Schweizern dafür gewünscht!

Warum Geduld und Beharrlichkeit der SVSt-Verantwortlichen so nötig waren, offenbart sich beim Betrachten der Bibliographie, denn diese endet im Jahre 1999. Hier wird erkennbar, wieviel kräftezehrende Arbeit noch vor den Herausgebern dieses Wörterbuches liegt – von der inhaltlichen Vollendung bis zur Drucklegung sind zwei Jahrzehnte ins Land gegangen. Da sich aber die Studentensprache zu wesentlichen Teile bereits vor etwa einem Jahrhundert herausgebildet hatte, wird der prinzipielle Wert des Werkes dadurch nicht berührt.

Gleichwohl kann diese erste Auflage des ersten Bandes nicht das letzte Wort zur Forschung über die Studentensprache der Schweiz sein. Doch dem ist auch nicht so, denn bereits in wenigen Monaten wird der zweite Band des schweizerischen Studentenwörterbuches das verdienstvolle Lektorat von Peter Johannes Weber durchlaufen haben, und den Subskribenten des Werkes ist für das nächste Jahr bereits die Lieferung von Band 3 und 4 angekündigt. Im Laufe der Herausgabe des Gesamtwerkes wird auch die editorische Gestalt noch eine Vervollkommnung erfahren – soviel sei verraten. So bleibt die kleine Anregung, daß dann auch eine aktualisierte Bibliographie zu finden sein sollte. Dem aber kann nur hinzugefügt werden, daß schon jetzt eine so lehrreiche wie amüsante Lektüre und auch die Vollständigkeit der Darstellung dieses bemerkenswerten sprachlichen Phänomens garantiert sind.

Sebastian Sigler

Ris, Roland, Wörterbuch der schweizerischen Studentensprache, Band 1, erschienen in der Reihe Studentica Helvetica als Band Nr. 35.1, Bern 2020, broschiert, 328 Seiten, Verbandsveröffentlichung der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte (SVSt), 30 Euro, für Mitglieder reduzierter Preis: 25 Euro; das vierbändige Gesamtwerk kann für 100 Euro subskribiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.