Jüdische Verbindungen und jüdische Korporierte zwischen Zionismus, deutschnationaler Motivation und umgebendem Antisemitismus

Am Wochenende 12. – 14. März 2021 tagt der AKSt in Heidelberg. Das Thema: An fast jeder Hochschule gab es bis 1933 jüdische Studentenverbindungen. Ihre Mitglieder und viele weitere jüdische Korporierte pflegten das studentische Brauchtum mit Freude und Leidenschaft. Die Nationalsozialisten verfolgten sie radikal. Vielfach sind sie völlig vergessen – bis heute. Diese offene Wunde gilt es zu schließen.

Das ehemalige Haus der jüdischen Verbindung Bavaria Heidelberg im K.C., heute Haus des Corps Thuringia Heidelberg im WSC

In Heidelberg, auf dem ehemaligen Haus der Bavaria, Hauptstraße No. 244, wird ein erster Anfang gemacht, mehr kann es kaum sein. Denn das Thema ist riesig und weitverzweigt. Gerade im Licht neuester Ereignisse tut ehrliches Bemühen in Bescheidenheit not. Die Tagung ist wegen des großen Zuspruchs auf das Wochenendformat ausgelegt. Eine wissenschaftliche Exkursion zum berühmten Studentenlokal „Seppel“ ist ebenso geplant wie eine Matinee mit Vortrag und jüdischen Studentenliedern an einem der legendären Orte deutscher Studentenromatik (mehr wird noch nicht verraten).

Eine Fortsetzung der weitgefächerten Thematik rund um die jüdischen Verbindungen und ihr Schicksal ist für das erste Halbjahr 2022 von der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte, SVSt, im Rahmen der regulären Tagung in der Schweiz angedacht. Eine Folgetagung plant sodann der Österreichische Verein für Studentengeschichte, ÖVfStg, für Mai 2022 ausrichten. Einladungen werden rechtzeitig – auch auch über diese Webseite – publiziert.

Folgende Vorträge sind für den ersten Teil der Thementagung zu jüdischen Korporationen des Arbeitskreises der Studentenhistoriker zusammen mit der SVSt vorgesehen:

Prof. Dr. Matthias Asche, Potsdam: Vom Umgang mit einer Minderheit – das Phänomen studierender Juden vor dem 19. Jahrhundert

Prof. Harald Seewann, Graz: Die Geschichte der A.V. Kadimah als Stück Geschichte der zionistischen Bewegung

Fritz Löhner-Beda

Prof. Raimund Lang, Hamburg / Wien: „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“ – der Wiener Kadi­maher Fritz Löhner-Beda: Böhmen – Wien – Auschwitz

Prof. Dr. Roland Girtler, Wien: Franz Boas – Bonner Burschenschafter, Wissenschaftler, Weltbürger

Prof. Dr. Matthias Stickler, Würzburg: Die jüdische Verbindung Salia Würzburg

Dr. Jürgen Herrlein: Die Familie Přibram – Prager jüdische Corpsstudenten und ihr Umfeld

PhDr. Dr. Gregor Gatscher-Riedl: Jüdische Farbstudenten und Politik – die Universität Czernowitz und die Verbindungen in der Bukowina

PD Dr. Axel Bernd Kunze: Willy Aron – Sozialdemokrat, jüdischer Korporierter, ermordet im KZ Dachau

Prof. Dr. Helmut Schaeffer: Die Diskriminierung jüdischer Mitglieder in den Berliner Akademischen Turnverbindungen (ATB) in den Jahren 1871 – 1935 (siehe dazu unsere aktuelle Rezension: Turnerkreuz und Hakenkreuz: ATB stellt sich seiner Geschichte)

Dr. Herwig Hofbauer, Weitra (A): „So streng war’n dort die Bräuche“ – Erinnerunngen an den Wiener Unitarier und Auschwitz-Überlebenden Fritz Roubicek

Volker Heinz: Die badischen K.C.-Verbindungen Bavaria Heidelberg und Ghibellinia Freiburg 

Thomas Schindler, Haßfurt: Jüdische Korporierte aus Deutschland und der Aufbau des modernen Staates Israel *

Dr. Alexander Graf: Das Waidhofener Prinzip von 1896 und seine Folgen *

Peter Johannes Weber, Bern (CH): Burschikose Sprache im Tagebuch des Berliner Unternehmers Dr. Hermann Hugo Zwillenberg *

Matthias Märkle, Konstanz: Jüdische Studenten bis 1871 am Beispiel Tübingens *

Dr. Sebastian Sigler: Zum Forschungsstand bezüglich der jüdischen Verbindungen und ihrer Mitglieder unter besonderer Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse *

Die Tagung in Heidelberg soll auch als Livestream angeboten werden. Sie wird in einem Tagungsband dokumentiert. Änderungen in der Folge der Vorträge sowie Ergänzungen des Programms ausdrücklich vorbehalten; die mit * gekennzeichneten Vorträge könnten sich auf den zweiten Teil der Tagung verschieben. Das Bild zu diesem Beitrag zeigt eine Couleurkarte der Bavaria Heidelberg von 1905; Bildrechte: couleurkarte.org / GDS / OeVfStG.

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