Jüdische Verbindungen und jüdische Korporierte zwischen Zionismus, deutschnationaler Motivation und umgebendem Antisemitismus

Für den 13. März 2021 lädt der AKSt zu einer Tagung ein, die ab 9.30 Uhr über Zoom stattfindet. Worum geht es? Bis 1933 gabe es an fast jeder Hochschule mehrere jüdische Verbindungen. Ihre Mitglieder und andere jüdische Korporierte pflegten studentisches Brauchtum mit Freude und Leidenschaft. Die Nationalsozialisten verfolgten sie radikal. Vielfach sind die jüdischen Verbindungen und ihre Mitglieder völlig vergessen – bis heute. Diese offene Wunde gilt es zu schließen. Am 14. März wird im Rahmen deshalb einer Gedenkveranstaltung ein Kaddisch für die jüdischen Korporierten gesungen.

Das ehemalige Haus der jüdischen Verbindung Bavaria Heidelberg im K.C., heute Haus des Corps Thuringia Heidelberg im WSC

In Heidelberg, auf dem ehemaligen Haus der Bavaria, Hauptstraße No. 244, werden so viele Vertreter des AKSt wie gesetzlich zugelassen einen ersten Anfang mit dem Gedenken an die jüdischen Korporierten und ihre Verbindungen machen, streng werden behördliche Regeln eingehalten. Die Tagung wird abgerundet durch eine sonntägliche Gedenkveranstaltung a.d.H. e./w. CC der Suevia Heidelberg, bei dem ein Kaddisch für die jüdischen Korporierten Heidelbergs, aber auch für diejeingen, die von Basel bis Czernowitz aktiv waren, gesungen wird. Durch ihre Briefe sollen einige derjenigen jüdischen Studenten, die bis 1933 das studentische Brauchtum tapfer und froh pflegten, zu Wort kommen. Die Gedenkveranstaltung wird dem Arbeitskreis als Dokumentation zugänglich gemacht.

jüdische Verbindungen, jüdische korporierte, Das Thema ist riesig und weitverzweigt; es gab hierzulande jüdisch-deutschnationale und zionistische Verbindungen, diese standen sich teils unversöhnlich und in mehreren konkurrierenden Dachverbänden organisiert gegenüber. Auch gilt es die paritätischen Verbindungen zu bedenken, von denen einige wenige auch nach dem Ende des Nationalsozialismus zumindest zeitweise wiedererstehen konnten. Die Mehrzahl der jüdischen Verbindungen gab es indes auf dem Gebiet der Habsburgermonarchie, zu nennen sind die Universitäten von Prag, Czernowitz und Wien. Und trotz Verbot, Vertreibung und Shoa finden sich weltweit enorm viele Spuren jüdischer Korporierter: in den USA, in England, in Südafrika, aber auch in Südamerika und Austalien, vor allem aber in Israel.

Link zur Tagung:

https://fau.zoom.us/j/3618581701?pwd=TE9VcVBiS1huZm5sWUJsMWtBMitmQT09

Meeting-ID: 361 858 1701

Paßwort: kommt demnächst per Mail an die ständigen Empfänger unserer Nchrichten, wird an dieser Stelle kurz vor der Tagung bekanntgegeben.

Das Tagungsprogramm

9 h.m.c.t. Begrüßung, pünktlich; alle folgenden Zeitangaben sind Anhaltspunkte, die genauen Anfangszeiten werden während der Tagung in einem gesonderten Bildschirmfenster oder im Chat laufend aktualisiert.

anschließend: Martin Laubmann Thuringiae Heidelberg, Berlin: Weinwirtschaft, jüdisches Verbindungshaus, Corpshaus der Thuringia – die Geschichte des Anwesens Hauptstraße Nr. 244 in Heidelberg

10 h.c.t. Prof. Dr. Matthias Stickler, Würzburg: Die jüdischen und paritätischen Studentenverbindungen

11 h.s.t. Prof. Harald Seewann, Graz: Die Geschichte der A.V. Kadimah als Stück Geschichte der zionistischen Bewegung

Fritz Löhner-Beda

11 h.m.c.t. Prof. Raimund Lang, Salzburg: Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren…“ Fritz Löhner-Beda, der Wiener Kadi­maher: Böhmen – Wien – Auschwitz

12 h.m. c.t. PhDr. Dr. Gregor Gatscher-Riedl, Wien / Perchtoldsdorf: Jüdische Farbstudenten und Politik – die Universität Czernowitz und die Verbindungen in der Bukowina

13 h.c.t. Dr. Gerhart Berger, Heidelberg: Die zionistischen Verbindungen in Heidelberg

14 h.m.c.t. Prof. Dr. Roland Girtler, Wien: Franz Boas – Bonner Burschenschafter, Wissenschaftler, Weltbürger

15 h.c.t. PD Dr. Axel Bernd Kunze, Waiblingen / Weinstadt (Rems): Ludwig Marum – Bildungspolitiker, Reichstagsabgeordneter, streitbarer jüdischer Korporierter in Heidelberg

16 h.s.t. Prof. Dr. Helmut Schaeffer, Berlin: Die Diskriminierung jüdischer Mitglieder in den Berliner Akademischen Turnverbindungen in den Jahren 1871 – 1935 (siehe dazu unsere aktuelle Rezension: Turnerkreuz und Hakenkreuz: ATB stellt sich seiner Geschichte)

17 h.s.t. Dr. Herwig Hofbauer, Weitra (A): „So streng war’n dort die Bräuche“ – Erinnerunngen an den Wiener Unitarier und Auschwitz-Überlebenden Fritz Roubicek

Im Tagungsband erscheinen wird: Prof. Dr. Matthias Asche, Potsdam: Vom Umgang mit einer Minderheit – das Phänomen studierender Juden vor dem 19. Jahrhundert

Zweiter Teil der Tagung, von der SVSt ausgerichtet, 4. bis 6. Februar 2022 in Basel:

Thomas Schindler, Haßfurt: Jüdische Korporierte aus Deutschland und der Aufbau des modernen Staates Israel

Dr. Gerhard Berger, Heidelberg: Isaac Leslie Baron Hore-Belisha – Heidelberger Burschenschafter, Jude, englischer Kriegminister, von Churchill aus dem Amt gedrängt: ein englischer Dreyfus?

Dr. Jürgen Herrlein, Frankfurt / Main: Die Familie Přibram – Prager jüdische Corpsstudenten und ihr Umfeld

Peter Johannes Weber, Bern (CH): Burschikose Sprache im Tagebuch des Berliner Unternehmers Dr. Hermann Hugo Zwillenberg

Matthias Märkle, Konstanz: Jüdische Studenten bis 1871 am Beispiel Tübingens

Volker Heinz, Berlin: Die badischen K.C.-Verbindungen Bavaria Heidelberg und Ghibellinia Freiburg

Dr. Alexander Graf, Berlin: Das Waidhofener Prinzip von 1896 und seine Folgen –neue Ergebnisse

Die Tagung in Heidelberg soll als Livestream angeboten werden. Sie wird in einem Tagungsband dokumentiert. Änderungen in der Folge der Vorträge sowie Ergänzungen des Programms ausdrücklich vorbehalten.

Eine Fortsetzung der weitgefächerten Thematik rund um die jüdischen Verbindungen und ihr Schicksal ist für Februar 2022 von der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte, SVSt, im Rahmen der regulären Tagung in der Schweiz geplant. Die Einladungen ergehen rechtzeitig. Eine Folgetagung plant sodann der Österreichische Verein für Studentengeschichte, ÖVfStg, für Mai 2022. Die Einladungen werden rechtzeitig – auch über diese Webseite – publiziert.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt eine Couleurkarte der K.C.-Verbindung Bavaria Heidelberg von 1905; Bildrechte: couleurkarte.org / GDS / OeVfStG.

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